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Architektur GmbH

appli-tech 2015 | Innovationswettbewerb - Dienstleistungszentrum SMGV in Wallisellen

Konzept/ Idee

Der reine Betonbau des Gebäudes des Schweizerischen Maler- und Gipserverbands stammt aus den frühen Siebzigerjahren. Der Charakter der reinen Beton-Oberfläche ist jedoch durch den Farbauftrag der letzten Sanierungsarbeiten verschwunden. Die nun geplante energetische Sanierung - welche der 2000 Watt Gesellschaft gerecht werden soll – verlangt nach einer neuen Lesart und öffnet neuen Spielraum.

Die tragenden Betonelemente sollen zukünftig vollständig im Fassadenaufbau integriert werden. Wir betrachten diese Neuauslegung des Baukörpers als Chance, dem Hauptsitz der traditionsträchtigen Handwerke einen zeitgemässen Ausdruck zu geben.
Das Gebäude befindet sich in einem industriellen Kontext mit mehr oder weniger ausdruckslosen Baukörpern. Wir wollen dem Bau Identität verleihen, indem wir die Metiers, welche hier gelehrt werden, nach Aussen spürbar werden lassen. So wird das Gebäude in seiner Umgebung eine dezent auffällige Erscheinung erhalten.

Durch das innovative Zusammenspiel von Wärmedämmung, Putz und Farbe wird die technische Notwendigkeit zum Schmuck. Durch den Einsatz von modellierten Flächen des Wärmedämmverbundsystems wird ein ornamentales Erscheinungsbild erzeugt. Die Gliederung nimmt die gegebenen architektonischen Elemente auf, sodass sich Neues und Altes wie selbstverständlich ineinander fügt.

Die Stützen, mit Wärmedämmung konisch eingepackt, wirken elegant und schlank und leiten in die seitlichen Schotten über. Dazwischen unterstreichen die facettierten, sich wiederholenden Brüstungselemente den Rhythmus der Nord- und Südfassade. Die Knicke der Facetten korrespondieren mit den neuen optimierten Fenstern. Durch die systematische Fensterteilung bleibt die grosse Flexibilität für die Nutzung der Räume im Inneren erhalten. An der Ost- und Westfassade sind die einzelnen Fensteröffnungen in einem schmalen vertikalen Facettenband zusammengefasst, dies lässt genügend Wirkungsraum für den neuen Schriftzug des Maler- und Gipserverbandes.

Industrie und Handwerk greifen in der Umsetzung ineinander. Computergesteuerte Produktionsverfahren ermöglichen die Formung der facettierten Wärmedämmelemente und Betonsimsen in industriellen Kleinserien. Der fein aufgebrachte Edelputz lässt die präzisen Formen der Wärmedämmung in Erscheinung treten, zeigt aber gleichzeitig die Handschrift des Verarbeitenden.

Verputztechnik/ Struktur und Textur

Durch die Formgebung der Fassadenteile trifft das Licht auf jede Facette in einem anderen Winkel. Dadurch entsteht ein differenziertes Spiel an Nuancen zwischen hell und dunkel.
Dieser Facettenreichtum erfährt durch die Wahl des Putzes und dessen Aufbringung eine zusätzliche Steigerung: Der Dünnschichtputz wird zunächst mit der Taloche dünn auf den Grundputz aufgezogen. Solange dieser noch feucht ist, wird er mit der Kelle gepresst und geglättet. Nach der Trocknungsphase von 1-2 Tagen wird die nächste Putzschicht aufgetragen und wiederum gepresst und glatt abgezogen.
Diese Schicht muss nun wiederum antrocknen, aber noch Restfeuchte aufweisen, um die deckende Schicht aufzunehmen: Diese letzte Schicht der Sumpfkalkfarbe wird nicht mit einer Bürste oder gar Roller aufgebracht sondern mit dem Spachtel aufgezogen. Durch die Verarbeitung in venezianischer Spachteltechnik erhält diese äusserste, sichtbare Schicht die charakteristische Handschrift des Handwerkers.
Der Putz erscheint auf den ersten Blick nicht spektakulär, ist jedoch voller Nuancen und zeigt eine alte Verputztechnik in einem neuen Zusammenhang.
Für die Anbringung des Schriftzuges werden die Lettern als Relief auf die Fläche modelliert und anschliessend mit Farbe versehen.

Farbkonzept

Um den Putzauftrag in seiner schlichten Schönheit nicht zu konkurrenzieren und die facettierte Fassadenstruktur zu unterstützen, wird mit der reinen Materialfarbe des Kalkputzes gearbeitet und auf zusätzliche Farbe verzichtet.
Die feinen Nuancen der Rohmaterialien des Putzes liefern den Ausgangspunkt für die Farbigkeit der restlichen Fassadenelemente.
Daneben gilt es, die neue, Identität stiftende Bildsprache des Verbandes in die Gesamterscheinung zu integrieren: die matte Farbigkeit gebrauchter, mit Patina überzogener Werkzeuge und das Blau des Schriftzuges.

Die Flügel- und Blendrahmen der Fenster werden farblich unterschieden und erscheinen in zwei Nuancen. Die langen Fensterbänder wirken durch die Gliederung in Teilflächen mehrschichtig und modelliert, so dass sich das Spiel des Facettenreichtums auf dieser Ebene fortgesetzt.
Die für die Beschattung vorgesehenen textilen Storen bringen ein zusätzliches haptisches Element an die Fassade. Das Gewebe ist zweifarbig und bewirkt ein dezentes Farbenspiel im Einklang mit den Fenstern.
Als klaren Farbton hebt sich einzig das Blau des Schriftzugs hervor. Durch den Kontrast zu den feinen Gelb- und Brauntönen erscheint es kräftig & stabil.

Die Farb- und Materialgestaltung tragen dazu bei, den bewegten, lebendigen Charakter der Fassade zu untermalen. Die unterschiedlichen Nutzungen des Gebäudes und das vielfältige Handwerk der Maler und Gipser bekommen somit eine entsprechend facettenreiche Erscheinung.

Fassadenaufbau/ Putzrezepturen

Aufbau von innen nach aussen auf bestehender Betonstruktur (Brüstung und Sturz)
U-Wert: max. 0.20